Bürgerinitiative Fuldatal

Keine Kurve Kassel

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21.01.2021

Paukenschlag am Runden Tisch: Verdreifachung der Kosten!

Gemeinsame Pressemitteilung der Bürgerinitiativen „Keine Kurve Kassel“ Espenau, Fuldatal, Grebenstein, Immenhausen und Vellmar sowie der Bundestagsabgeordneten Esther Dilcher (SPD) und der Landtagsabgeordneten Wolfgang Decker, Manuela Strube und Oliver Ulloth (alle SPD)
Im Rahmen des 8. Runden Tisches wurden seitens der DB Netz AG die vorläufigen Ergebnisse der verkehrlichen und volkswirtschaftlichen Bewertung der Trassenvarianten vorgestellt. Danach liegen die Investitionskosten für die untersuchten Trassenvarianten im Suchraum zwischen 200 – 665 Mio. Euro. Für die Varianten 4B und 4C werden mit 200 – 240 Mio. Euro nach derzeitigem Planungsstand die geringsten Kosten entstehen. „Ausgehend vom Bundesverkehrswegeplan (BVWP), in dem mit nur 80 Mio. Euro kalkuliert worden war, ist dies eine annähernde Verdreifachung der Kosten“, stellen die SPD-Landtagsabgeordneten Wolfgang Decker und Oliver Ulloth klar.
Die Bürgerinitiativen und regionalen Wahlkreisabgeordneten halten es nach der Bekanntgabe dieser großen Kostensteigerung erst recht für notwendig, weiter die Alternative der Sollingtrasse (Altenbeken – Northeim – Nordhausen) im Fokus zu halten und intensiv zu prüfen. Ihr Ausbau würde nach den von der Bahn zuletzt genannten Zahlen nicht mehr 500 Mio. € kosten, sondern nur noch Investitionen von 437 Mio. € für die Ertüchtigung und Elektrifizierung der Strecke erfordern. „Es liegen nach jetzigem Planungsstand nur noch rund 200 Mio. Euro zwischen der Kurve Kassel und der Sollingtrasse. Damit hat sich der Kostenunterschied mehr als halbiert“, sagt Helga Heinemann (BI Fuldatal). „Die Vertreter der DB Netz AG betonen am Runden Tisch immer wieder, dass sie im Rahmen ihres Auftrages nur Varianten im sogenannten Suchraum für die Kurve Kassel untersuchen dürften und ihnen eine vertiefende Prüfung der Sollingtrasse deshalb nicht möglich sei. Wir sind fest davon überzeugt, dass für die Sollingtrasse noch Optimierungspotential besteht. Wenn die Bahn nur die reinen Baukosten vergleicht, blendet sie zudem ganz wesentliche Fakten aus,“ sagt Klaus Werner, Sprecher der BI Vellmar. „Die um 32 km kürzere Sollingtrasse bietet bei sachgerechtem Ausbau unbestreitbare Einsparungspotenziale bei Fahrzeit, Energie und CO2. Das macht sie zur wirtschaftlich und ökologisch deutlich besseren Lösung,“ erklärt die Landtagsabgeordnete Manuela Strube (SPD). Die Bürgerinnen und Bürger an dieser Strecke hätten beim Ausbau nicht nur einen Anspruch auf Lärmschutz, sondern es würden sich dort auch neue Potenziale für den ÖPNV ergeben.
„Wir waren alle von Anfang an davon überzeugt, dass der Bund auf einer völlig illusorischen Grundlage den planungsrechtlichen Rahmen auf den derzeitigen Suchraum der Kurve Kassel beschränkt hat, statt bei der Suche auch die Alternativtrasse über den Solling gleichwertig mit einzubeziehen“, sagt Peter Schürmann, Sprecher der BI Espenau.
Immer wieder hätten die Bürgerinitiativen und die Bundestagabgeordneten Esther Dilcher und Timon Gremmels (beide SPD) darauf hingewiesen, dass die im Bundesverkehrswegeplan zu gering angesetzten Kosten von knapp 80 Mio. Euro für die Kurve Kassel der Grund gewesen seien, die Trasse über den Solling nicht von vornherein in die Überlegungen einzubeziehen. „Diese Kalkulation war von Anfang an unseriös. Das zeigt die schon jetzt von der Bahn geschätzte annähernde Verdreifachung der Kosten für eine Streckenführung von Mönchehof nach Ihringshausen“, so Dilcher. Ebenso wir ihr Bundestagskollege Gremmels war sie zum Zeitpunkt der Entscheidung über den Bundesverkehrswegeplan noch nicht in den Bundestag gewählt.
Auf die auch nach dem 8. Runden Tisch noch ungeklärten Probleme durch die beabsichtigte drastische Steigerung des Güterverkehrs auf der Strecke Warburg-Kassel, weisen die Sprecher der BI

Immenhausen, Werner Kolle, und der BI Grebenstein, Herbert Christ, hin. „Die Bahn mutet den Anliegern der Bahnstrecke Kassel-Warburg in den kommenden Jahren eine Verdreifachung des Lärms durch Güterzüge zu, wenn die Alternativstrecke nicht genutzt wird“, so Werner Kolle. Die DB Netz AG habe nach wir vor nicht plausibel erklären können, wie die erwartete Zahl der Güterzüge mit einem verbesserten Angebot bei den überregionalen Personenzügen und insbesondere im Nahverkehr der RegioTram vereinbar sein soll. „Die RegioTram wird im wahrsten Sinne des Wortes ausgebremst und auf das Überholgleis geschoben, wenn sich nach ihr ein verspäteter aber schnellerer Güterzug nähert. Die Pünktlichkeit im Nahverkehr könnte dadurch beeinträchtigt werden“, befürchtet Herbert Christ.
„Die DB Netz AG und Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) müssen spätestens jetzt ihre Blockadehaltung aufgeben. Es geht darum, alle Fakten auf den Tisch zu bekommen und durch einen ergebnisoffenen Prozess die Varianten der Kurve Kassel mit der Alternativtrasse über den Solling gleichwertig zu vergleichen“, ist Esther Dilcher überzeugt. Die Diskussionen endeten bisher stets an diesem Punkt und drehten sich wegen der Abwehrhaltung der DB Netz AG im Kreis.
„Wer nicht bereit ist, die Sollingtrasse objektiv und mit der notwendigen Tiefe zu prüfen, gefährdet die Akzeptanz in der Bevölkerung für ein solches Infrastrukturprojekt“ mahnt Klaus Werner an. „Wir wollen alle mehr Güter auf die Schiene bringen und erwarten, dass auch die davon betroffenen Bürgerinnen und Bürger diesen Prozess positiv begleiten. Dann müssen die Planer aber auch für sachliche Argumente und mögliche Alternativen offen sein“, so Oliver Ulloth abschließend.
20.01.2021



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